tagebuch

eine zeit der bewährung....

.... wird heute jedem gestattet, nur sich selbst nicht. aus der möglichkeit einer sich selbst gewährten bewährung, weil man weiß, dass man mal etwas falsch gemacht hat, macht man selbst immer eine bewe(h)rtung. das betrifft auch dinge, die man in der kindheit getan hat, diese wurden immer von erwachsenen bewertet… man kann sein ganzes leben damit verbringen, sich dagegen zu wehren. das aber zu tun, bedeutet unter umständen einen lebenslangen konflikt zwischen erwachsenen-ich und kind-ich, weil das eigene erwachsenen-ich das muster der im kindheits-ich verankerten erwachsenen übernommen hat. das kind-ich in seiner vollen berechtigung einfach nur mal zulassen, es laut werden lassen, und es sich anhören, es die dinge noch einmal genauso tun lassen, und es sich ansehen… nicht bewerten… nicht schämen. erkennen, dass das eigene erwachsenen-ich, das verhalten des inneren kindes genauso bewertet, wie es die erwachsenen damals taten, und dem kind-ich jetzt eine andere chance geben, ihm die wirkliche kommunikation mit dem erwachsenen-ich gestatten. alles, was hochkommt, einfach s e i n lassen, wie es ist. ein jegliches kind hat die berechtigung, das zu fühlen, was es fühlte. das zu tun, was es tat.

der mensch verliert....

.... immer wieder den respekt vor dem geschriebenen oder gesprochenen wort. es macht mich traurig, wenn ich lese oder höre, was manche mit ihrer fähigkeit, worte schreiben, oder sich mündlich ausdrücken zu können, anstellen. es fehlt die selbstachtung dieser eigenen möglichkeiten, und manch einer weiß garnicht, wie gut es ihm geht, weil er überhaupt schreiben und auch sprechen kann. es gibt menschen, die würden gern schreiben können, haben aber keine hände. es gibt menschen, die würden gern sprechen können, sind aber stumm. die menschen, die nicht schreiben können, weil ihnen die hände fehlen, achten das vermögen, sich mündlich ausdrücken zu können, eben weil die andere abilität, sich mitzuteilen, nicht da ist. die menschen, die gern sprechen würden, aber nicht können, achten die schriftliche fähigkeit des ausdrucks. diesen ist jeweils die befähigung zur fähigkeit bewusst. was man von menschen, die beides wie selbst:verständlich beherrschen, nicht immer behaupten kann. ich kann mich für die begrifflichkeit „transparentpudding“ entscheiden, kann aber auch einfach den begriff „götterspeise“ verwenden, aber mir sollte bewusst sein, dass diese speise früher tatsächlich den göttern vorbehalten war. der kampf um das errungene wort, den formenden text und letztendlich um den darüber stehenden titel ist immer auch ein kampf gegen den engel. allein diese leistung schon ist zu achten… ganz besonders dann, wenn man irgendwo zu gast ist.

das musste noch mal >>> dazu gesagt werden…

...

>>> bei volker rapsch gelesen:

„Das Schreiben einer Familiengeschichte im besonderen ist von all dem weniger betroffen. In der schlichten Darstellung des Gewordenseins findet es alle Antworten auf ausgesprochene und unausgesprochene, auf bekannte und unbekannte Fragen.“


...ich möchte dem zustimmen. seit jahren reflektiere ich unsere familiengeschichte. ich formuliere beispielsweise eine situation, weil ich den hintergrund dieser immer noch nicht erkenne. ich lege das geschriebene weg, hole es nach einer zeit hervor, um es „wiederzulesen.“ es gibt augenblicke, da kommen die antworten wie von selbst, ich sehe zusammenhänge, die ich vorher nicht sah. es ist plötzlich ein faden da, der sich über den text, und über dem text spannt. die frage, die entsteht, beantwortet mir der kontext des geschriebenen schon im ansatz. ich habe das oft genug erlebt. bin froh darüber. mit den jahren ändern sich auch die ebenen, man kann einfach das formulieren, was geschah. es ist dann nicht mehr und nicht weniger.

...

Re: R: R: R: R: R: Tulpen
Re: R: R: R: R: Tulpen
Re: R: R: R: Tulpen
Re: R: R: Tulpen
Re: R: Tulpen
Re: Tulpen

... ich hätte gern einen großen strauß, aber rote...

...

aus:zeit

...

den bogen in der hand legt er ihn auf die saiten. dunkel erklingt der ton, vibrierend füllt sich der klangkörper langsam, sein gewicht wird von der aus dem becken heraus entstehenden öffnung gehalten. die eine hand führt, die andere berührt… der ton, der erklingt, hat 123,02 hz… die frequenz von lilith, dem erdfernsten punkt, der die mondin in ihrer ellipsenförmigen umlaufbahn hält. kein anderer schwingt so wie dieser, und trägt gleichzeitig die ambivalenz eines emotionalen brennglases in sich. meine eigene verdrängte, dunkle seite (mondin) verdichtet sich, ist aber, wenn ich lilith als apogäum verstehe, am weitesten von mir (erde) entfernt.

... hab's noch mal korrigiert

...

es ist ein sehr eigenes gefühl, die letzten sieben jahre in kartons zu packen. jeder gegenstand dieser wohnung trägt diese sieben jahre. die kissen die ich entweder verhauen oder in die ich geheult habe, das sofa... welches mich nur selten wirklich trug, dafür um so mehr der sessel in der leseecke. das weiße alte sideboard, teller raus, gläser rein, schublauden auf und wieder zu. die regale, die wahrscheinlich inzwischen den inhalt der beherbergten bücher auswendig können, die schreibtischlampe, die ein so heimeliges licht verbreitet, der schreibtisch, der nicht nur den keramikgesprungenen blumentopf, der die federn, die füllfederhalter und die stifte aufnimmt, trägt, die elf kleinen fensterbänke ringsrum, eine von ihnen hat sich seit jahren mit buddha angefreundet, eine andere tut sich immer schwer, den guten wiskey herzugeben, der eßtisch, der im schweiße des angesichts abgeschliffen und neu lasiert, an dem lecker gegessen wurde, sich aber auch sehr gut für anderes eignete. die holzbalken, der sechs meter hohe giebel, die galerie hinten an der wand, auf der das bett steht, deren stahlbalken ab und an auch mich halten mussten. die dachfenster, durch die die mondin in vollem eiskalten zustand ihr licht warf, welches durch eine oft türkisblaue corona noch klarer wurde. wenn ich die buchstaben der gedachten worte der formulierten gedanken an die wände geschrieben hätte, wäre kein millimeter mehr weiß... der gefühlte schmerz des eigenen erkennens füllte die zwischenräume....

.... das licht des eigenen dunkel.

facettenschliff...



gespräch bis 05.00 uhr heute früh... "du greifst immer in die vollen, entweder aktivierst du das licht oder das dunkel. du hast eine frequenz, die den menschen aufmacht. du siehst hin, und weißt in kürzester zeit, aber du subjektivierst nicht. du bist unglaublich ruhig und natürlich, auf eine art und weise, die den menschen zu sich selbst führt, oder anders ausgedrückt, der mensch merkt in deiner gegenwart, dass er so "sein" darf, wie er ist. du willst nicht die rolle die der mensch spielt, du willst den menschen, der die rolle spielt, dass ist der mensch nicht gewohnt, es irritiert ihn. allein die frequenz deiner anwesenheit sprengt jegliche form und sie öffnet jede kellertür. ich kenne keinen menschen in meiner umgebung, der so wirkt wie du. du hast ein tiefes wissen in dir, du weißt um dieses wissen, aber du definierst es nicht nach außen. solche facetten weiß nur der eigene schmerz zu schleifen".

...



(er(fin(d))ung)

Senkrecht zum Papier

Senkrecht zum Papier hältst du
eine Rauchschwade der Frühe, ein stiller Baum über dem
Grab
Nun erwacht im Schlafzimmer der Himmel
Mädchen widerstehen dem ungebärdigen Lichthalm
Ein Walnußbaum des Tages zerstört den Beweis des Hirns
Die Jahreszeiten, der Weingeist stundet Migräne
Auf dem prächtigen Tisch des Meeres die Gabel fest im
Griff führt die Welt ihr Augen zum Mund

Es ist ein unvollendetes Gedicht, senkrecht
zum Papier, von einem Epitaph entworfen
vom Fluß auf der Schwelle überschwemmt
Das Blut ist zur starrfüßigen Leiter genagelt
und ins Gedränge gestellt zum Erwerb eines Lasters
Wieder bewahrt ein Morgen die Kühle einer Uhr
Senkrecht auf der Straße mit dem Wort zerschellend:
Das ist kein letztes Mal, du mußt aufs Papier fallen


Yang Lian, "Der Ruhepunkt des Meeres" aus dem chinesischen von Wolfgang Kubin übertragen. Edition Solitude, S. 26

... → es gibt keine barmherzigen gedichte... (...)

User Status

Sie sind nicht angemeldet.

Kürzlich...

eine zeit der bewährung....
.... wird heute jedem gestattet, nur sich selbst nicht....
anudem - 19. Aug, 07:20
der mensch verliert....
.... immer wieder den respekt vor dem geschriebenen...
anudem - 14. Aug, 23:47
>>> bei volker...
>>> bei volker rapsch gelesen: „Das...
SubiQue - 14. Jun, 10:20
spie(ge)l V
anudem - 13. Jun, 20:44
da freu ich mich sehr,...
da freu ich mich sehr, dankeschön. :-) die kamera...
anudem - 12. Jun, 13:35

Kontakt

anudem[ät]gmxpunktde

Wetter

Aktuelles Wetter in Hamburg:


Temperatur: 18 C
UV Index: 1
Luftfeuchte: 83 %
Sichtweite: 9.0 km
Luftdruck: 1015.9 mb
Windstärke: 16 km/h

Weather data provided by weather.com

Suche

 

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)
xml version of this topic

twoday.net AGB